Nichts bringt einen schneller in Kontakt mit den Einheimischen als Trampen. Und genau darum geht es doch beim Reisen. Man möchte neue Menschen kennenlernen, erfahren wie sie leben, was sie denken und interessante Geschichten hören. Wenn man dann beim Reisen auch noch Geld sparen kann, umso besser!
Das sind genau die beiden Faktoren, die Trampen für Reisende mit schmalem Budget so spannend machen. Gerade wenn man keinen Zeitdruck hat, ist dies die ideale Weise der Fortbewegung, die einen absolut nichts kostet. Denn für die Kosten für Bus- und Bahntickets findet man 100%-ig eine bessere Verwendung und erlebt obendrein noch viel mehr als in einem Bus voller Touris!
Auf unserer Weltreise haben wir ca. die Hälfte der Wege trampenderweise zurückgelegt und wir können sagen, dass wir nun um einige Erfahrungen reicher sind – so platt es auch klingen mag. Unsere Trampgeschichten aus Südamerika, Hawaii, Australien und Neuseeland könnten ein ganzes Buch füllen, so witzig, skurril und kurios waren manche Fahrten. Manchmal standen wir früh morgens im Dunkeln bei Eiseskälte an einer argentinischen Autobahn und die einzigen Gefährte auf der Straße waren riesige Lastwagen. Ein anderes Mal fanden wir uns auf dem Seitenstreifen mitten auf der Autobahn wieder, was dazu führte, dass der erstbeste Autofahrer in die Eisen ging und uns aus dieser misslichen Lage befreite. Oder wir wurden in eine Diskussion über die Güte Jesus verwickelt, wobei unser Beitrag an der Konversation nur aus Kopfnicken und irritierten Blicken bestand.
Das klingt nun alles etwas abenteuerlich, aber es gab auch durchaus ruhige Fahrten, bei denen wir unsere Strecke in Rekordzeit zurücklegten. Manchmal ist man einfach nur erstaunt, wie freundlich und hilfsbereit die meisten Menschen sind. Oft wurden wir am Ziel direkt vor der Haustür abgesetzt, unterwegs an die kulinarischen Highlights des jeweiligen Landes herangeführt und haben sehr viele interessante Lebensmodelle und –geschichten kennengelernt. Bei aller Aufregung haben wir uns fast nie unwohl gefühlt, was aber wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass wir zu zweit unterwegs waren.
Also schnappt euch euren Tramppartner des Vertrauens und los geht’s. Damit auch alles klappt – soweit vorhersehbar – hier eine kurze Liste mit Tramptipps:
1. Planung ist alles
Schaut euch vor Fahrtantritt den Weg genau auf Google Maps an und überlegt euch auch eventuelle Alternativrouten. Es ist zudem hilfreich, eine Karte auf Maps vorzuladen, sodass ihr im Zweifelsfalle immer mal wieder checken könnt, wo Ort XY liegt, zu dem der Fahrer, der gerade hält, unterwegs ist. Ansonsten kann es passieren, dass ihr euch auf einer eher mäßig befahrenen Straße mitten im Nirgendwo wiederfindet und nach kurzer Zeit drauf und dran seid, jeden vorbeikommenden Fahrer auf Knien anzuflehen, euch doch endlich mitzunehmen. Oder ihr kommt ganz aus der Richtung und macht einen riesigen Umweg! Also lieber vorher ein paar Minuten investieren und sich kurz vorbereiten
2. Die Schilderfrage
Manche Tramper schwören darauf, dass man nur mit einem schick gestalteten Trampschild ans Ziel kommt. Wir haben es in der Praxis erprobt und sind zu einem uneindeutigen Urteil gekommen. Einerseits dient ein Schild mit Richtungs- oder Zielangabe den Autofahrern als eine Art Orientierung. Sie können also besser abschätzen, ob es sich lohnt, euch mitzunehmen, ob sie Lust haben, womöglich den Rest des Tages in Gesellschaft zu verbringen etc. Andererseits schreckt ein Schild auch oft ab. Wenn man beispielsweise einen 500 km entfernten Ort angibt, kommen manche Fahrer evtl. nicht auf die Idee, euch nur ein Stück des Weges mitzunehmen. Wir sind immer gut damit gefahren, ein Schild dabeizuhaben. Wenn sich nach kurzer Zeit kein Erfolg eingestellt hat, haben wir es abwechselnd eine Zeit lang ohne und dann wieder mit Schild versucht. Auf jeden Fall sind wir so oder so immer ans Ziel gekommen.

3. Die Ortswahl
Location ist alles. Diese goldene Regel haben wir spätestens nach einigen Wartestunden am Straßenrand in der neuseeländischen Pampa verinnerlicht. Die Auswahl eines geeigneten Trampspots kann einem nämlich in manchen Situationen das Leben retten und in den meisten Fällen beschleunigt es die Fahrt ungemein. Aber was macht einen guten Tramspot aus und wie findet man ihn?
Perfekt für den Start sind Plätze an Landstraßen, die aus Orten hinaus- oder zur Autobahn hinführen. Aber auch hier ist die Positionierung entscheidend für den Tramperfolg. Ihr müsst zum einen sicherstellen, dass ihr von den herannahenden Autofahrern früh genug gesehen werdet. Das ist zum Beispiel hinter einer Ampel der Fall. Bei rot habt ihr dann die Möglichkeit, die Autofahrer mit eurem schönsten Lächeln davon zu überzeugen, dass ihr die perfekten Beifahrer seid und die langweilige Autofahrt etwas aufmischen werdet. Andererseits muss es natürlich Platz zum Anhalten geben, wie eine Parkbucht, einen kleinen Parkplatz oder einen etwas breiterer Randstreifen.
Geeignete Trampspots kann man übrigens auch in Internetforen und im einzig wahren Trampwiki finden. Das hat den Vorteil, dass die Plätze definitiv schon von anderen Trampern ausprobiert und für gut befunden wurden.
4. Immer positiv denken!
Manchmal klappt es wie geschmiert: kaum steht man am Straßenrand, da hält auch schon der erste Wagen, der – wie der Zufall es will – ausgerechnet zu deinem Ziel fährt. Und dann gibt es diese anderen Tage, an denen nichts zu klappen scheint und man sich von einem Auto ins nächste hangelt, nur um nach 10 km wieder auszusteigen. Wichtig ist trotz alledem, dass man sein Lächeln nicht verliert. Denn schlecht gelaunte Tramper würden nur die wenigsten mitnehmen. Außer man strahlt die pure Verzweiflung aus.
5. Verpflegung
Achtet darauf, immer ausreichend zu Essen und zu Trinken dabeizuhaben. Manche Fahrer halten nämlich ungern zwischendurch oder ihr steht einfach mal stundenlang am ADW. Da braucht man natürlich Beschäftigung und was wäre da besser als Essen!?
Gute Fahrt!
